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Die homerische ‚agorê‘ und die Herausbildung politischer Rollen und Verfahren in archaischer Zeit

Oliver Grote


Pages 247 - 279



In diesem Artikel wird der Versuch unternommen, Niklas Luhmanns Theorie der „Legitimation durch Verfahren“ für eine Untersuchung der Herausbildung politischer Verfahren in griechischen Gemeinden der Archaik fruchtbar zu machen. Auf einen Überblick der grundlegenden Begriffe dieses Ansatzes folgt eine Charakterisierung der allgemeinen Veränderungen und Entwicklungen in früharchaischer Zeit als Steigerung von ‚Komplexität‘ im systemtheoretischen Sinne. Die sich in dieser Zeit entwickelnden Verfahren und Verfahrensrollen können daher als Mittel verstanden werden, übermäßige (und mithin die Handlungsfähigkeit einschränkende) Komplexität zu reduzieren, wie hier am Beispiel der Bildung von Ämtern und Verfahren zur Besetzung derselben gezeigt werden soll. Hierbei kam es mitnichten auf bloße Formalisierung an: Den durchaus formalisierten homerischen Volksversammlungen fehlten noch entscheidende Merkmale echter Verfahren. Erst durch die Fähigkeit, im Rahmen ergebnisoffener Verfahren verbindliche Entscheidungen und Legitimität zu produzieren – so die hier vorgelegte These –, konnten griechische Gemeinden schließlich ein eigenes System des Politischen hervorbringen.

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