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Schuldfragen, Weltbilder und Bewältigungsstrategien

Helena und der Krieg in Ilias 3

Thomas Kuhn-Treichel


Pages 211 - 229



In Il. 3 finden sich auf engem Raum bemerkenswert unterschiedliche Positionen zur Frage, inwieweit Helena am Trojanischen Krieg schuld ist. Hierin spiegeln sich Spannungen im Weltbild der homerischen Epen wider, wobei neben den oft diskutierten Aspekten menschlicher und göttlicher Verantwortung die Rolle des Schicksals (vor allem im Sinne der Schicksalskontingenz) hervorzuheben ist. Hieraus ein kohärentes psychologisch-theologisches Gesamtbild synthetisieren zu wollen, ist jedoch nur bedingt sinnvoll. Dennoch lassen die Aussagen in einem tieferen Sinn einen Blick auf die Psychologie homerischer Figuren zu, insofern sich hinter den widersprüchlichen Aussagen bestimmte Bewältigungsstrategien offenbaren, die die Figuren angesichts des für ihre Stadt wie für ihre Integrität bedrohlichen Krieges verfolgen.

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