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Das Feuermotiv in Senecas Medea

Dagmar Kiesel


Pages 231 - 255



Ausgehend von Argumenten zur Vergleichbarkeit und Kompatibilität von Senecas philosophischen und tragischen Werken erörtert dieser Beitrag die tiefergehende stoische Bedeutung des Feuermotivs in Senecas Tragödie Medea. Wie mit Bezug auf De ira zu zeigen ist, zeichnet Seneca die Protagonistin als feurige Seelennatur. Als solche trägt sie eine ambivalente Erbschaft in sich: Feurige Seelen sind einerseits in besonderer Weise geeignet, sich dem feuerartigen göttlichen λόγος anzuähneln, andererseits sind sie durch ihren Hang zum Jähzorn sowie zum (auch verfehlten) Streben nach Größe besonders gefährdet. Die Entscheidung für den einen oder den anderen Lebensweg liegt bei Medea. In der Tragödie präsentiert Seneca Medea als Frau von potenzieller stoischer Größe, die jedoch eine falsche Wahl getroffen hat und sich als Herrin über das ‚fatum‘ geriert. Damit wirkt sie im Unterschied zum göttlichen Feuer weder schöpferisch noch als Stifterin von Verbundenheit, sondern gefällt sich in exzessiver Destruktivität.

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